Privilegierte Schützengesellschaft Königswalde e.V.

Wie viele andere Schützenvereine wurde auch die "Privilegierte Schützengesellschaft Königswalde" in der Euphorie des Jahres 1871 gegründet. Die Gründungsversammlung fand im ehemaligen "Gasthof Ratsgericht" statt.

Wie uns einige Belege erzählen, wurden in jedem Jahr mehrere "Schießtage" abgehalten, wobei jeweils ein "König" als 1.Sieger ermittelt wurde und begehrte Sachpreise gewann. Gravierte Zinnteller, Bierhumpen, Porzellangeschirr oder silberne Becher waren beliebte Preise.

Die für heutige Begriffe einfachen Vorschriften zum Erwerb und Umgang mit Schußwaffen machten es unseren Großvätern leicht. Sie brauchten keine großartigen Schießanlagen und geprüfte Waffenschränke, ein Teil des Ratsgerichter-Weges (Fußweg nach Grumbach) reichte aus für die sonntäglichen Schießübungen, Preisschießen und Schützenfeste. Vor dem Schießen wurden Absperrmaßnahmen getroffen und eine Genehmigung der Königlichen Amtshauptmannschaft eingeholt. Wurde anfangs noch mit Vorderlader-Büchsen geschossen, tauchen später auf den Fotos (um 1895) die begehrten Scheibenbüchsen im Kaliber 8,15x46R auf, die Feuerstutzen mit Feinvisierung oder Diopter. Es waren die kleinkalibrigen Sportgewehre dieser Zeit mit der präzisen sogenannten Deutschen Einheitspatrone mit Bleigeschoß und schwacher Ladung, die von den Schützen meist gleich auf dem Stand von Hand wiedergeladen wurde. Die Ladung gab es abgemessen und in Seidenapier eingewickelt in der örtlichen Apotheke oder Drogerie zu kaufen ...

1895 wurde neben dem Tischer-Weg ein neuer Schießstand gebaut, der allen Anforderungen entsprach, mit seitlichen Böschungen und einem Erdwall als Kugelfang. Auch ein kleines Schützenhaus aus Holz mit den Schützenständen im massivem Unterbau und einem darüberliegenden Aufenthaltsraum entstand.

um 1910: sonntags zum Scheibenschießen auf dem neuen Schießstand

 

 

1896 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen und es wurde die neue Fahne geweiht. "Von den Frauen und Gönnern des Vereins zum 25. Bestehen gewidmet" lesen wir auf der Rückseite der Fahne mit dem Sachsenwappen. Auf der Vorderseite ist das herrliche Vereinswappen der Königswalder Schützen zu sehen. Angefertigt von einer Leipziger Stickerei, so können wir sie noch heute, 1997 frisch restauriert, bewundern.

Der Vorsteher des Vereins war damals (1896) Alwin Riegel und der Verein hatte 25 Mitglieder.

Ab 1910 übernahm Otto Bergelt den Vorstand, ab 1919 Max Nestler.

Am 31. Juli und 1. August 1921 feierte die Privilegierte Schützengesellschaft ihr 50jähriges Bestehen und das 25jährige Jubiläum der Fahnenweihe mit einem großen Schützenfest.

Mit dem Beginn des II. Weltkrieges kam für den Schützenverein das vorläufige Ende. Die Gewehre mußten abgegeben werden, die Männer mußten an die Front, das Vereinsleben kam zum Erliegen. Zum Glück trennten sich nicht alle Schützen von ihren wertvollen Waffen. Zum Abliefern hatte man billige Teschings und Vogelflinten. Einige der teuren Scheibengewehre verschwanden in Dielen und Verschlägen, wie uns ein glücklicher Dielenfund eines Feuerstutzens 1997 bewies.

Nach dem Krieg waren Schützenvereine undenkbar. So blieb es auch in den 40 Jahren DDR hindurch. Außer dem Luftgewehrschießen in der Schule oder dem vormilitärischen KK-Schießen bei der GST war hier im Ort kaum Schießsport möglich.

Das änderte sich schlagartig nach der Wende 1989. In Annaberg kam es schnell zur Gründung eines Schützenvereins, dem sich Interessierte aus den umliegenden Orten anschlossen, auch einige Königswalder. 1996 ergriff Erhard Pöttrich in Königswalde die Initiative mit einem ersten Aufruf zur Wiedergründung des Königswalder Schützenvereins. Zu einer ersten Zusammenkunft hatte er alle Interessenten am 10.4.96 ins Deutsche Haus eingeladen. Über 20 waren gekommen. Den 12 Gründungsmitgliedern ist es zu verdanken, daß bereits zwei Wochen darauf, am Mittwoch, den 24.4.1996, die Gründungsversammlung der "Privilegierten Schützengesellschaft Königswalde" im Deutschen Haus stattfand.
Den Vorstand übernahmen Andre Mandt, Erhard Pöttrich, Uwe Körner und Wolfgang Süß.

In der Satzung des Vereins stehen die Förderung des Schießsports, die Pflege und Wahrung des traditionellen Schützenbrauchtums in Königswalde, das sportlichen Schießen als populären Breiten- und Wettkampfsport, ein reges Vereinsleben und Geselligkeit im Vordergrund.

Nach über 50 Jahren ist es nicht einfach altes Brauchtum wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Es war so gut wie nichts mehr aus den Zeiten des alten Schützenvereins vorhanden. Einige historische Fotos fanden sich bald, auch einige schöne alte Ehrenscheiben und die alte Tracht vom Großvater (Oskar Pöttrich) unseres Vorstandsmitglieds Wolfgang Süß. Sie diente uns als Vorbild für unsere neue Schützentracht: mit grüner Weste unter der Jacke, den dunklen Ärmelaufschlägen und Revers, Hirschhornknöpfen, einer grünen Schützenschnur mit Bommeln, der Spielhahnfeder am Hut.

Für den wiedergegründeten Schützenverein begann das Vereinsleben erst einmal mit viel Arbeit aber auch vielen fröhlichen Stunden: Ständig auf der Suche nach Belegen vom alten Königswalder Schützenverein kam bald die erste glückliche Überraschung: Nachdem Hartmut Melzer und Wolfgang Süß am 31.Mai 1996, wieder einmal vergeblich auf dem Boden des Ratsgerichtes und in Schuppen und Scheune des Freund-Gutes herumstöbern durften, auf deren Grundstück vor dem Krieg der Schießstand und das Schützenhaus waren, brachte tags darauf Gerd Freund die alte Fahne der Königswalder Schützen - er hatte selbst noch einmal auf dem Dachboden gesucht !

Welch glückliche Stunde, genau zum hundertsten Jubiläum der Fahnenweihe kam diese Fahne wieder zum Vorschein, wieder in die richtigen Hände, wehte sie über unseren Schützenverein. Noch mehr kam hinzu: Mit den Jahreszahlen "1871" und "1896" auf dieser Fahne wußten wir es nun ganz genau, da stehen 1996 gleich 2 Jubiläen an:
125 Jahre Bestehen der Privilegierten Schützengesellschaft Königswalde und 100 Jahre Fahnenweihe !!!

Und so erlebte Königswalde am 26.Oktober 1996 nach langer Zeit wieder ein Schützenfest. Einen Schützenaufzug unseres Vereins, eingekleidet in neuer Tracht, die mit den Schützenfreunden aus Mildenau und Neudorf, mit Blasmusik und Salutschüssen und einen stimmungsvollen Abend im neuen Amtsgerichtsaal.

Für die nächste Überraschung sorgte ebenfalls wieder unser Gerd Freund: Ob wir für die Ausgestaltung des Schützenfestes nicht noch die alten Scheiben haben wollten ? Es waren alte Ehrenscheiben, die von Mitgliedern des Schützenverein oder anderen Bürgern zu einem besonderem Anlaß gestiftet worden waren und gleichzeitig als Ziel und Preis eines Wettschießens dienten, und natürlich wurde damals wie heute der Schützenkönig auf solch besonderen Scheiben ausgeschossen. Gemalt wurden die meisten der hier erhaltenen Ehrenscheiben von dem hier ansässigen Malermeister Fritz Hübner.

Das besondere an den hier in unserem Verein erhaltenen Scheiben ist, daß auf fast allen Scheiben Gebäude unseres Ortes dargestellt sind und damit zusammenhängende Anlässe /Ereignisse gewürdigt werden. So zeigt eine Scheibe mit der Jahreszahl 1926 das Bild unserer Schule und erinnert an den Erweiterungsbau der Schule. Sie ist stark verwittert. Bestimmt hatte sie der damalige Gewinner viele Jahre am Giebel seines Hauses aufgehängt, wie das mit Ehrenscheiben und Königsscheiben damals wie heute üblich war und ist.

Wesentlich besser erhalten und wirklich kunstvoll gestaltet sind die anderen Scheiben. Eine Scheibe von 1923 zeigt die Westansicht unserer Kirche und ist dem 400jährigem Kirchenjubiläum gewidmet. Wie wir darauf lesen können hatte Max Bräuer dieses Preisschießen gewonnen und früher hing diese Scheibe beim Tobak-Max, wie er gerne genannt wurde, im Hausflur.

2 alte Scheiben

Aber auch anderen Ereignissen wurde mit solchen Ehrenscheiben gedacht: so ist auf einer weiteren Scheibe mit der Jahreszahl 1927 die Ansicht des alten "Gasthof zum Rathsgericht" zu sehen und es wird vermerkt, daß dies das Gründungslokal der Privilegierten Schützengesellschaft Königswalde war und am 25.5.1908 durch Feuersbrunst zerstört wurde.

Eine weitere Scheibe ist dem Bau unseres Rathauses im Jahre 1929 gewidmet.

Ebenfalls war es üblich, daß der Spender sein Haus oder Gut darstellen ließ, so wie eine Scheibe von 1930 belegt, die das (neue) Ratsgericht-Gut zeigt und es ist zu lesen, daß sie von Otto Freund gestiftet wurde.

Die alten Ehrenscheiben sind heute im Besitz unseres Vereins und schmücken unser Vereinszimmer.

Jetzt fehlt uns eigentlich bloß noch die alte Königskette ... vielleicht kommt auch diese eines Tages wieder zum Vorschein. Wir kennen ihr Aussehen nur von den alten Bildern. Es ist ein halbmondförmiges silbernes Brustschild, auch Ringkragen genannt, das an einer Kette getragen wird.

Auch unsere neue Königskette hat diese Form.

Vom alten Schießstand und Schützenhaus ist natürlich nichts mehr übrig. Er wurde in den 60iger Jahren im Zuge der Vergenossenschaftung der Landwirtschaft eingeebnet, der Schützenstand abgerissen. Einen eigenen Schießstand zu bauen war in unserem kleinen Verein mit 18 aktiven Mitgliedern nicht machbar, außerdem waren in der unmittelbaren Umgebung die Schießstände Mildenau und Wiesa (PFG Annaberg) schon vorhanden, die wir für unser Training nutzen konnten. Doch ein eigenes Vereinszimmer und ein Luftgewehr-Stand sollte schon noch werden. Es begann die Suche nach einem geeigneten Objekt, der Dachboden der Turnhalle oder die Amtsgerichts-Scheune standen zur Auswahl.

Im September 1998 begannen wir mit Unterstützung der Gemeinde und 2 ABM mit dem Ausbau der Amtsgerichts-Scheune. Nach vielen freiwilligen Arbeitsstunden und der Initiative unserer Mitglieder wurde im Frühjahr 1999 ein gemütliches Vereinszimmer und ein LG-Schießstand mit drei 10-m-Bahnen fertiggestellt. Am 1.Mai 1999 erfolgte die feierliche Einweihung.
Im Mai 2003 wurde der zweite größere Vereinsraum ausgebaut und eingerichtet. Zum Pfingstschießen 2003, das diesmal bei uns mit der Armbrust ausgeschossen wurde, erfolgte die feierliche Übergabe dieses neuen Raumes.

Schützenkönige

Seit 1996 wird wieder jedes Jahr ein Schützenkönig ermittelt. Ein gezielter Schuß mit einem KK-Gewehr aus 50m Entfernung auf die Königssscheibe, die jeweils der Schützenkönig des Vorjahres stiftet, entscheidet wer unser neuer Schützenkönig wird. Am Königsschießen nehmen alle Vereinsmitglieder teil. Der Schützenkönige erhält die Einlage für die Ausrichtung der abendlichen Königsfeier und legt natürlich selbst noch was dazu.

Unsere Schützenkönige

1996: Mario Klitzke

1997: Christian Müller

1998: Wolfgang Süß

1999: Andre Mandt

2000: Horst Groschopp

2001: Wolfgang Süß

2002: Hans-Jürgen Ullrich

2003: Andre Mandt

2004: Jens Schreiter

2005: Uwe Körner

2006: Mario Klitzke

2007: Jens Schreiter

2008: Holger Krögerrecklenfort

2009: Mario Klitzke

2010: Uwe Schreiter

2011:  Uwe Schreiter

2012: Wolfgang Süß

2013: Uwe Schreiter

 

Die Tradition mit den Ehrenscheiben wird weiter fortgeführt. Wichtige Anlässe im öffentlichen Leben unseres Ortes werden auf einer Ehrenscheibe festgehalten und diese ausgeschossen. So gibt es inzwischen Scheiben zur Einweihung der Amtsgerichts-Brücke, zur 750-Jahr-Feier, der Einweihung unseres Luftgewehrschießstandes, zur Eröffnung des Gasthof Brettmühle usw.. Natürlich wird auch das Königsschießen auf solch eine individuell gemalte Scheibe ausgeschossen. Geben muß sie der König des Vorjahres, so sagt es die Ausschreibung zum Königsschießen und meist zeigt die neue Königsscheibe dann sein Geburtshaus oder ein anderes Schützenmotiv, oft von unserem Vorstandsmitglied Wolfgang Süß gemalt. Unsere Königsscheibe von 1996 zeigt das Wappen unserer Fahne und ist dem 125jährigem Jubiläum des Schützenvereins gewidmet. Und unser Schützenkönig Mario Klitzke stiftet für 1997 eine Königsscheibe, auf der das Deutsche Haus zu sehen ist, sein Haus, und gleichzeitig das Lokal der Wiedergründung unseres Vereins !

So gibt es jährlich mehrere Wettkämpfe, die wir auf Ehrenscheiben ausschießen:

Eine wirklich schöne Tradition.

Weitere traditionelle Wettkämpfe und Veranstaltungen führen wir regelmäßig jedes Jahr innerhalb unseres Schützenvereins und mit befreundeten Vereinen durch:

Die Vereinsmeisterschaften werden ebenfalls jährlich, jeweils in 3 ausgewählten Disziplinen des DSB und zusätzlich in den Disziplinen Luftgewehr und Luftpistole durchgeführt.

 

Die bisher erreichten sportlichen Erfolge der Mitglieder unseres Schützenvereins sind bemerkenswert !

Besonders hervorzuheben sind:

 

Glückliche Sieger zur Sächsischen Landesmeisterschaft
(Leipzig 1999, v.l.n.r.: Wolfgang Süß/Königswalde, Andreas Müller/Geyersdorf,
Andre Mandt/Königswalde, Christoph Schönfels/Jöhstadt)

 

 

Wolfgang Süß

im Dezember 2003
letzte Änderung 17.05.2013

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